Alkoholproblem die Ursache

Erstes Kapitel des Buches: "Anleitung" zum Suchtausstieg...

 

Einleitung

 

Es war der 19. Mai. In meinem Badezimmer am Boden liegend, angekleidet, neben mir ein zertrümmerter Heizstrahler. Mühsam rapple ich mich auf. Stelle ein zerrissenes, blutverschmiertes Hemd fest. Schleppe mich im Schlafzimmer aufs Bett und falle sofort in einen unruhigen Schlaf, mit Schweissausbrüchen und abstrakten Träumen.

Am Morgen das „böse Erwachen“. Mit Brummschädel versuche ich mich zu erinnern, was gestern passiert war: 

Wieder einmal so ein Tag zum vergessen. Am Morgen einige frustrierende Kundentelefonate, die dringend notwendig erschienen. Gegen Mittag so 2 bis 3 Apéros, man gönnt sich ja sonst nichts. Anstelle des Mittagessens einige Biere, haben ja auch einen hohen Nährwert. Am Nachmittag die Einsicht, dass man nicht mehr sinnvolle Kundengespräche führen kann, eventuell könnte ja bereits eine erkennbare Beeinträchtigung feststellbar sein. Also Heimreise antreten. Zum Glück per Eisenbahn, da der Auto-Fahrausweis im Vorjahr abgenommen wurde. Ihr könnt drei Mal raten warum? Die Reise wie gewohnt im normalen Ablauf, noch kurz ein Bier im Bahnhofrestaurant, noch eines, da der Zug nur in der Hetze erreichbar gewesen wäre. Der übernächste Zug wird dann erfolgreich erwischt. Zuvor am Kiosk noch zwei Dosen Bier beschaffen, es könnte ja Durst auf der Heimreise aufkommen. Der Bus nach Hause, mit kurzem Stopp in der „Krone“. Dort sitzen meistens die gleichen Stammgäste, mit denen man noch „small talken“ kann. Zu mehr reicht es in diesem Zustand sowieso nicht mehr. Zudem erzählt fast jeder immer wieder die gleichen Geschichten. So muss man nicht zuhören und macht doch den Eindruck, aufmerksam zu sein. Noch Eins und noch Eins, ist ja klar. Zuhause angekommen, direkt ins Badezimmer.

Ja so war das ungefähr. 

 

 

 

 

Das beschriebene Ereignis ist das Resultat eines Entwicklungsstadiums, das schleichend erreicht wird. Über Jahre oder gar Jahrzehnte. Am Anfang trinkt man in Gesellschaft, hat es lustig, manchmal etwas zu lustig und hat dann eine Weile wieder genug vom Zuviel. Mit der Zeit schleichen sich Gewohnheiten ein. Beginnend meist harmloser Natur. Apéro gegen Mittag muss sein. Du wählst aber nicht Orangensaft. Feierabend Bier kann ja nicht schaden. Kein Bier vor Vier, wird ja eingehalten. Die unter Alkohol ausgehende Lässigkeit macht einem zum gemütlichen Kumpel, mit dem man gerne noch Eins trinkt. Überall erliegst Du der Versuchung. Man stösst ja nicht mit Wasser an.

 

Man beginnt "getarnt" Alkohol zu konsumieren. Bei kurzen Abwesenheiten vom Arbeitsplatz. Zuhause, mit dem Griff zur versteckten Flasche.

 

Man gerät in einen Beschaffungsdruck. Wo immer möglich, wird direkt konsumiert oder beschafft für den späteren Konsum. Jede Gelegenheit wird gerne genutzt, um noch Eines zu kippen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

 

Der Süchtige bildet sich noch lange ein, es werde nicht bemerkt. Ist ein gewisses Niveau erreicht, nützt die beste Schauspielerei nichts mehr. Es wird bemerkt, sei es im Beruf, bei Kollegen und ganz bestimmt in der Familie.

 

Der Absturz ist vorprogrammiert. Der gesundheitliche Raubbau, der je nach Konstitution früher oder später einsetzt, manifestiert sich in verschiedensten Ausprägungen.

 

 

 

 

 

 

Zuerst in der milderen Form: 

  • Man fühlt sich als der „Grösste“, überheblich, stark, euphorisch, überlegen, rechthaberisch.
  • Verpasst Termine.
  • Verliert das Realitätsbewusstsein.
  • Vergisst, was man abgemacht hat. Wird dadurch leicht manipulierbar, indem jeder sagen kann: „Das hast du so gesagt“, weil er genau weiss, dass du dich nicht mehr daran erinnern kannst.
  • Erzählt immer wieder dieselben Geschichten an Personen, denen man das schon x-mal erzählt hat.
  • Wiederholt sich innerhalb kurzer Zeit, da man vergessen hat, was man bereits kurz vorher gesagt hat.
  • Man nimmt die Umgebung nicht mehr bewusst wahr.

Oder als Schockerlebnis:

  • Verlust des Arbeitsplatzes.
  • Zerfall der Partnerschaft.
  • Gesetzeskonflikt.
  • Zahlungsunfähigkeit.
  • Alkoholbedingter Unfall.
  • Aggressivität gegen Personen.

Die Liste liesse sich beliebig erweitern. 

 

Schleichend verliert man die Kontrolle. Beherrschung, Ausdauer, Charakterfestigkeit und Selbstvertrauen gehen langsam verloren.

Mit den, in der Anleitung, vorgeschlagenen Übungen wird eine merklich, positive Veränderung des Wohlbefindens eintreten. Sich dieser zu erfreuen, ist eine erste Bestärkung. Die Entdeckung ganz neuer Fähigkeiten und Interessen, ist der zusätzliche Ansporn zur Veränderung unseres Verhaltens-Muster. Hat man das über ca. drei Monate durchgehalten ist man erst fähig zu beurteilen, was man sich durch das Suchtverhalten selbst verbaut hat.

 

 

 


"Anleitung" zum Suchtausstieg... für eine selbst bestimmte Zukunft, ohne Alkoholproblem